Fasching '06: Großeinsatz

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28 Einsatzkräfte, neun Einsatzfahrzeuge, neun Patienten mit acht Fahrten ins Krankenhaus transportiert, insgesamt über ein Dutzend Versorgungen und Hilfeleistungen - das ist die Bilanz des Astheimer Faschingsumzuges.




Von wegen Weck, Worscht und Woi ...

Noch nie gabs auf einem Astheimer Umzug soviel fürs DRK zu tun


ASTHEIM (ml). Die Abkürzung "ASD" ist im DRK seit Jahren bekannt und bedeutet "Ambulante Soziale Dienste". Seit dem Faschingssonntag in Astheim könnte sie zumindest beim Treburer DRK auch für "Alkohol, Schlägereien und Drogen" stehen, denn das war - auch wenn wir uns vor dem Einsatz etwas völlig anderes gewünscht hatten - gewissermaßen das diesjährige Karnevalsmotto.

Erstmalig sollte in diesem Jahr die Feier nach dem Umzug nicht ausschließlich im Bürgerhaus stattfinden, sondern der ACA hatte sich eine Zweiteilung vorgenommen: Die Jugend, so war der Plan, würde sich auf dem Kerweplatz zu einer Open-Air-Veranstaltung einfinden, die bereits während des Zuges begann, während die "gesetztere" Narrenschar inklusive der Zugteilnehmer sich ins Bürgerhaus zurückzögen. Da das DRK Trebur nicht einschätzen konnte, inwieweit diese Abweichung von der jährlichen Routine sich auf die Einsatzhäufigkeit auswirken würde, wurde sicherheitshalber ein Rettungswagen mehr eingeplant als sonst. Neben der Verstärkung aus der OV Rüsselsheim, die wie jedes Jahr mit einem Rettungswagen und drei Einsatzkräften am Sanitätsdienst teilnahmen, lieh man sich noch einen Rettungswagen aus der Rettungswache Groß-Gerau. Die qualifizierte Besetzung des Fahrzeuges war dank der im letzten Jahr stark angestiegenen Helferschar in Trebur kein Problem.

Bereits vor Zugbeginn, während der Einsatzbesprechung in der bei 28 Einsatzkräften aus allen Nähten platzenden DRK-Unterkunft, bat die Rettungsleitstelle um Besetzung eines Rettungswagens für einen ersten Einsatz. Auf dem alljährlichen Gruppenfoto vor Einsatzbeginn fehlen deshalb drei Einsatzkräfte - sie leisteten bereits mit dem Rettungswagen 99/83 zum ersten Mal an diesem Tag notwendige Hilfe.

Die Anzahl der Hilfeleistungen während des Zuges selbst war dann nicht ungewöhnlich hoch: Rund ein halbes Dutzend Mal mußten die Einsatzkräfte helfen, versorgten kleine Schnittwunden oder transportierten stark alkoholisierte Personen ins Krankenhaus. Auffallend war bereits hier der geringe Altersdurchschnitt der Patienten: der größte Teil der zu Versorgenden war minderjährig, 15jährige PatientInnen keine Seltenheit. Der Satz, der am häufigsten fiel an diesem Tag war "Bitte nicht meine Eltern anrufen!".

Trotz alledem verlief der Umzug durchweg normal, und nach Zugende wurde wie jedes Mal der Einsatzleitwagen abgebaut, die Fahrzeugbesatzungen wurden so umsortiert, daß alle, die nach Hause wollten, mit den nicht mehr benötigten Einsatfahrzeugen in die Unterkunft zurückkehren und die "Dienstwilligen" auf den Rettungswagen den Sanitätsdienst am Bürgerhaus und Open Air aufrechterhalten konnten.

Warum dann plötzlich doch wieder alle Fahrzeuge und Einsatzkräfte gebraucht wurden, steht auf der nächsten Seite ...

 

 


Wenn das Bürgerhaus zum Tollhaus wird

Großeinsatz nach Astheimer Umzug

ASTHEIM (ml). Der Umzug war beendet, die Gerätewagen, der Mannschaftswagen und der Einsatzleitwagen in die Unterkunft zurückgekehrt. Der Rettungswagen 99/83 war ebenfalls kurz in der Unterkunft in Trebur, um die Spuren des Umzuges aus dem Auto zu entfernen, als es plötzlich hieß "Raus mit dem Besen, wir müssen zurück nach Astheim!". Zunächst war nur bekannt, daß es plötzlich eine große Anzahl von Verletzten am Bürgerhaus gegeben hatte. Noch während der Anfahrt des Rettungswagens wurden auch die übrigen Einsatzkräfte wieder zurückbeordert.

Wie sich herausstellte, waren die jugendlichen Karnevalisten mit dem Plan des ACA, die Veranstaltung aufzuteilen, nicht einverstanden gewesen. Zu kalt war es am Open Air, vielleicht auch die Stimmung nicht gut genug, oder man war alten Traditionen verfallen - jedenfalls drängten die Massen ans Bürgerhaus und sahen sich dort vier Ordnern eines Sicherheitsdienstes gegenüber, die Anweisung hatten, nur die Festzugteilnehmer in den Saal zu lassen. Schnell gab es ein Gedränge, vielleicht auch eine Rangelei, und plötzlich war Glas gesplittert, die Scheiben an den Saaltüren eingedrückt. Zeitgleich brach auf der Straße eine junge Frau zusammen: Alkohol nicht in Maßen, sondern in Massen, dazu noch ein wenig "Speed" verschafften ihr zunächst einen Aufenthalt in unserem Rettungswagen und die Aufmerksamkeit unseres Notarztes, später dann die Einlieferung auf die Intensivstation in Rüsselsheim.

Parallel zur Erstversorgung der Verletzten baute die Besatzung des Gerätewagens 99/54 das aufblasbare Zelt auf, um schnell eine beheizte Verletztenablage zu schaffen. Der zweite Gerätewagen versah den Sanitätsdienst am Open Air. Sollte dort ein Transport notwendig werden, wäre einer der Rettungswagen vom Bürgerhaus in kürzester Zeit vor Ort.

Die Einrichtung unserer "Unfallhilfsstelle" lief - dank zahlreicher Drills in den Dienstabenden und diverser erfolgreicher Übungen - reibungslos und schnell, so daß bereits nach wenigen Minuten die ersten Verletzten ins Zelt gebracht werden konnten. Frank Hagen und Dr. Knut Marder übernahmen die Sichtung und Versorgung im Zelt - Ingmar Krumm, der dritte Arzt, war bereits zum Nachtdienst in die Rüsselsheimer Klinik aufgebrochen und sollte im weiteren Verlauf des Abends noch den einen oder anderen unserer Patienten zu Gesicht bekommen ...

Insgesamt waren über den Abend sieben dokumentierte PatientInnen im Zelt, ein Teil davon konnte nach kurzer Untersuchung auf eigene Verantwortung nach Hause gehen, in einem Fall mußte die jugendliche Patientin, die eine Flasche an den Kopf bekommen hatte, so lange von uns betreut werden, bis die Eltern erreicht werden konnten, um sie abzuholen. Ein Umstand, der für alle beteiligten Streß bedeutete, denn mit ihren fünfzehn Jahren war die junge Dame bereits alkoholisiert genug, um die Notwendigkeit dieser Maßnahme nicht mehr einzusehen.

Das Zelt war bereits abgebaut, als es kurz nach 22:00 Uhr vor dem Bürgerhaus noch zu einer Schlägerei kam. Warum dieser letzte Patient uns ganz besonders im Gedächtnis bleiben wird, steht in einem separaten Bericht ...